Kanada: Unterschied zwischen den Versionen
created from English and partly translated |
partly translated |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[File:Flag_of_Canada.svg|thumb|150px|Flagge Kanadas]] | |||
[[File:Flag_of_Canada.svg|thumb|150px| | == Kanada und Beschneidung == | ||
== | |||
Ein Bericht über nicht-therapeutische Beschneidung in Kanada. | |||
== | == Geschichte == | ||
Die nicht-therapeutische Beschneidung von Kindern ist nicht Teil der Kultur vieler kanadischer Minderheiten. Die französischsprachigen Einwohner von Quebec und anderswo befürworten im Allgemeinen keine Beschneidung. Die männliche Beschneidung ist nicht Teil der einheimischen Kultur der indigenen Inuit-, First Nations- und Métis-Bevölkerung (4,3 % der Bevölkerung). | |||
Die medizinisierte Genitalbeschneidung von Säuglingen und Kindern wurde zuerst in Kanada während der Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts von englischsprachigen Personen aufgrund der damaligen Mode des [[Großbritannien|Vereinigten Königreichs]] gefördert. Ärzte empfahlen die Genitalbeschneidung sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Kindern, um Masturbation sowie verschiedene Krankheiten wie Epilepsie und Tuberkulose zu verhindern.<ref name="chhrp2018">{{REFdocument | |||
|title=International NGO Council on Genital Autonomy Supplementary Country Report Submission on Canada to the U.N. Committee on the Rights of the Child | |title=International NGO Council on Genital Autonomy Supplementary Country Report Submission on Canada to the U.N. Committee on the Rights of the Child | ||
|url=http://chhrp.org/wp-content/uploads/2019/11/Canada-Supplementary-Report.pdf | |url=http://chhrp.org/wp-content/uploads/2019/11/Canada-Supplementary-Report.pdf | ||
| Zeile 22: | Zeile 21: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
Pirie (1927) | Pirie (1927) beschrieb in einer Präsentation vor der Canadian Society for the Study of Diseases of Children die Beschneidung als „sehr verbreitet“.<ref name="pirie1927">{{REFjournal | ||
|last=Pirie | |last=Pirie | ||
|first=George R. | |first=George R. | ||
| Zeile 37: | Zeile 36: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
[[Douglas Gairdner]] | [[Douglas Gairdner]]s klassischer Aufsatz von 1949, „Das Schicksal der Vorhaut: Eine Studie über die Beschneidung“,<ref name="gairdner1949">{{GairdnerDM 1949}}</ref> scheint in Kanada ignoriert worden zu sein. | ||
Bruce Peter Reimer, | Bruce Peter Reimer, später bekannt als [[David Reimer]], wurde am 22. August 1965 in Winnipeg, Manitoba, geboren. Sein Penis wurde bei einem Unfall während einer medizinisch unnötigen, nicht therapeutischen Beschneidung zerstört. | ||
Patel (1966) | Patel (1966) berichtete über seine Erkenntnisse über die Beschneidung von Neugeborenen in Kingston, Ontario, Kanada. Patel berichtete von einer Komplikationsrate von 55 Prozent bei einer Serie von 100 aufeinanderfolgenden männlichen Säuglingsbeschneidungen. Er berichtete auch über das Auftreten von Beschneidungen im [http://www.kingstonhsc.ca/ Kingston General Hospital] in Kingston, Ontario. Patel berichtete von einer Beschneidungshäufigkeit von 48 Prozent. Diese galt für ein Krankenhaus in Kingston, ON, wurde jedoch häufig und fälschlicherweise als Rate für ganz Kanada angegeben.<ref>{{REFjournal | ||
|last=Patel | |last=Patel | ||
|first=Hawa | |first=Hawa | ||
| Zeile 56: | Zeile 55: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
Kanada hat wie andere englischsprachige Nationen früher viele seiner Jungen beschnitten, wobei die Beschneidungsrate in den 1960er Jahren zwischen 40 und 70 Prozent lag.<ref>{{REFjournal | |||
|last=Wirth | |last=Wirth | ||
|first=John L. | |first=John L. | ||
| Zeile 77: | Zeile 76: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
Die [[Canadian Pediatric Society]] (CPS) veröffentlichte 1975 ihre erste Erklärung zur Beschneidung von Neugeborenen. Die Erklärung besagte: „Es gibt keine medizinische Indikation für die Beschneidung während der Neugeborenenzeit.“ Die CPS bezeichnete die Amputation als „obsolete Operation“ und rechnete mit einem „stärkeren Rückgang des Prozentsatzes beschnittener Säuglinge“.<ref name="cps1975">{{REFjournal | |||
|last=Swyer | |last=Swyer | ||
|init=PW | |init=PW | ||
| Zeile 95: | Zeile 94: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
LeBourdais (1995) | LeBourdais (1995) erklärte, dass die männliche Beschneidung „eindeutig nicht länger als Routineverfahren angesehen werden kann“.<ref name="lebourdais1995">{{REFjournal | ||
|last=LeBourdais | |last=LeBourdais | ||
|first=Eleanor | |first=Eleanor | ||
| Zeile 116: | Zeile 115: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
Dr. [[Arif Bhimji]] (2000) | Dr. [[Arif Bhimji]] (2000) wandte internationales [[Menschenrechte|Menschenrechtsgesetz]] und die kanadische Charta der Rechte und Freiheiten auf die Praxis der nicht-therapeutischen Kinderbeschneidung an. Er schlussfolgerte: | ||
<blockquote> | <blockquote> | ||
Die Beschneidung männlicher Säuglinge ist eine klare Verletzung der Rechte, die allen Personen durch die kanadische Charta der Rechte und Freiheiten garantiert werden. Darüber hinaus verstößt die Praxis gegen [[Menschenrechte|Menschenrechtsgesetze]] auf Provinz- und internationaler Ebene.<ref name="bhimji2000">{{REFjournal | |||
|last=Bhimji | |last=Bhimji | ||
|first=Arif | |first=Arif | ||
| Zeile 134: | Zeile 134: | ||
</blockquote> | </blockquote> | ||
== | == Berichtete Inzidenz von nicht-therapeutischer Kinderbeschneidung == | ||
Die gemeldete Inzidenz der Kinderbeschneidung in Kanada variiert je nach Provinz und hat im Laufe der Zeit abgenommen. Neufundland hatte schon immer eine sehr geringe Inzidenz von Kinderbeschneidungen, während Alberta und Ontario eine höhere Inzidenz von Kinderbeschneidungen hatten. | |||
Johnston (1995) | Johnston (1995) berichtete, dass die Inzidenz der Kinderbeschneidung in Kanada von 60 Prozent vor einer Generation auf geschätzte 25 Prozent gesunken sei.<ref name="johnston1995">{{REFnews | ||
|title=Under the Knife | |title=Under the Knife | ||
|url=http://www.cirp.org/news/1995.09.11_TorontoStar/ | |url=http://www.cirp.org/news/1995.09.11_TorontoStar/ | ||
| Zeile 151: | Zeile 151: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
Die „Gazette“ aus Montreal (2006) berichtete, dass die Inzidenz der Beschneidung laut der ''Association for Genital Integrity'' um 36 Prozent auf 14 Prozent gesunken ist, während [https://www.statcan.gc.ca/eng/start Statistics Kanada] (2006) einen Höchstwert von 29,5 Prozent in PEI und ein Tief von 1,1 Prozent in Nova Scotia berichtete.<ref>{{REFnews | |||
|title=Rates of circumcision slashed in past 30 years. | |title=Rates of circumcision slashed in past 30 years. | ||
|url=http://www.cirp.org/news/2006-03-23montrealgazette/ | |url=http://www.cirp.org/news/2006-03-23montrealgazette/ | ||
| Zeile 175: | Zeile 175: | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
== | == Stellungnahmen medizinischer Fachgesellschaften == | ||
=== Canadian Pediatric Society (CPS) === | |||
Die [[Canadian Pediatric Society]] (CPS) nahm 1975 Stellung gegen die nicht-therapeutische Beschneidung von Jungen und erklärte, sie habe "keine medizinische Indikation" und sei eine "obsolete Operation".<ref name="cps1975"/> | |||
Der CPS griff die Beschneidung 1996 erneut auf und empfahl: | |||
{{Zitat | |||
|Text=Die Beschneidung sollte nicht routinemäßig durchgeführt werden. | |||
|ref=<ref name="chhrp2018"/><ref name="cps1996">{{REFjournal | |||
|last=Outerbridge | |last=Outerbridge | ||
|first=Eugene | |first=Eugene | ||
| Zeile 199: | Zeile 203: | ||
|accessdate=2019-10-26 | |accessdate=2019-10-26 | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
|Autor=[[Canadian Pediatric Society]] 1996 | |||
}} | |||
Die CPS überdachte 2015 erneut die Beschneidung von Säuglingen. Die CPS erklärte: | |||
{{Zitat | |||
|Text=Während es für einige Jungen in Hochrisikopopulationen und unter Umständen, in denen das Verfahren zur Verringerung oder Behandlung der Krankheit in Betracht gezogen werden könnte, einen Vorteil geben kann, empfiehlt die Canadian Pediatric Society nicht die routinemäßige Beschneidung jedes männlichen Neugeborenen. | |||
|ref=<ref name="cps2015">{{REFjournal | |||
|last=Sorokin | |last=Sorokin | ||
|first=S. Todd | |first=S. Todd | ||
| Zeile 248: | Zeile 236: | ||
|accessdate=2019-10-26 | |accessdate=2019-10-26 | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
</ | |Autor=[[Canadian Pediatric Society]] (2015) | ||
}} | |||
=== College of Physicians and Surgeons of British Columbia (CPSBC) === | |||
Das [https://www.cpsbc.ca/ College of Physicians and Surgeons of British Columbia] hat drei Leitlinien für seine Mitglieder bezüglich der nicht-therapeutischen männlichen Beschneidung von Kindern herausgegeben. Die neueste (2009) sagt ausschnittsweise: | |||
{{Zitat | |||
|Text=Sie sind nicht verpflichtet, einer Bitte auf Beschneidung eines Säuglings nachzukommen, aber Sie müssen die medizinischen Beweise und die aktuellen Gedanken in der Bioethik besprechen, die Sie davon abhalten, dieses Verfahren durchzuführen. Sie müssen die Eltern auch darüber informieren, dass sie das Recht haben, einen anderen Arzt aufzusuchen. | |||
|ref=<ref>{{REFdocument | |||
|title=Circumcision (Infant Male) | |||
|trans-title= | |||
|language= | |||
|url=http://www.cirp.org/library/statements/cpsbc2009/cpsbc-circ-stmt2009.pdf | |||
|contribution= | |||
|quote= | |||
|trans-quote= | |||
|quote-lang= | |||
|last= | |||
|first= | |||
|author-link= | |||
|publisher=College of Physicians and Surgeons of British Columbia | |||
|format=PDF | |||
|date=2009-09 | |||
|accessdate=2019-11-18 | |||
}}</ref> | |||
|Autor=College of Physicians and Surgeons of British Columbia (2009) | |||
}} | |||
=== Canadian Urological Association (CUA) === | |||
Die [[Canadian Urological Association]] (CUA) befasste sich mit der Frage der Beschneidung und gab im Februar 2018 eine Erklärung ab. Die CUA kam zu dem Schluss: | |||
{{Zitat | |||
|Text=Angesichts des sozioökonomischen, Bildungsstands und der gesundheitlichen Demographie unserer Bevölkerung kann eine universelle Neugeborenenbeschneidung nicht gerechtfertigt werden auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Beweise. | |||
|ref=<ref name="cua2018">{{REFjournal | |||
|last=Dave | |last=Dave | ||
|first=Sumit | |first=Sumit | ||
| Zeile 269: | Zeile 288: | ||
|DOI=10.5489/cuaj.5034. Epub 2017 Dec 1 | |DOI=10.5489/cuaj.5034. Epub 2017 Dec 1 | ||
|accessdate=2019-10-26 | |accessdate=2019-10-26 | ||
}}</ref> | }}</ref> | ||
|Autor=Canadian Urological Association (CUA) | |||
}} | |||
{{NYT en}} | |||
==Availability of third-party payment== | ==Availability of third-party payment== | ||
Canada has fourteen single-payer health insurance plans (HIPs) — one for each of the ten provinces and three territories and a 14th plan for government employees. The British Columbia HIP stopped paying for non-therapeutic circumcision in the 1980s. Ontario HIP stopped payment for non-therapeutic circumcision in July 1995; Saskatchewan stopped in 1996. One by one, all other HIPs have stopped paying for non-therapeutic circumcision. In 2006, Manitoba HIP was the last to stop, but only after the wrong boy was circumcised at [http://www.sbgh.mb.ca/ St. Boniface Hospital].<ref>{{REFnews | Canada has fourteen single-payer health insurance plans (HIPs) — one for each of the ten provinces and three territories and a 14th plan for government employees. The British Columbia HIP stopped paying for non-therapeutic circumcision in the 1980s. Ontario HIP stopped payment for non-therapeutic circumcision in July 1995; Saskatchewan stopped in 1996. One by one, all other HIPs have stopped paying for non-therapeutic circumcision. In 2006, Manitoba HIP was the last to stop, but only after the wrong boy was circumcised at [http://www.sbgh.mb.ca/ St. Boniface Hospital].<ref>{{REFnews | ||