Abraham L. Wolbarst: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Image:Abraham L. Wolbarst.jpg|right|thumb|Abraham Leo Wolbarst]] | [[Image:Abraham L. Wolbarst.jpg|right|thumb|Abraham Leo Wolbarst]] | ||
'''Abraham Leo Wolbarst''', M.D. | '''Abraham Leo Wolbarst''', M.D., ({{LifeData|1872|1952}}) ein Arzt aus New York City, war ein notorischer Befürworter nicht-therapeutischer Beschneidung männlicher Neugeborener. | ||
Holt (1913) berichtete in einem Artikel, der im ''Journal of the American Medical Association'' (JAMA) veröffentlicht wurde, dass ''Mohels'' mit Tuberkulose Baby-Jungen beim Ausführen einer rituellen Beschneidung mit Tuberkulose infizieren würden.<ref name="holt1913">{{REFjournal | |||
|last=Holt | |||
|first=L. Emmet | |||
|init=LE | |||
|title=Tuberculosis acquired through ritual circumcision | |||
|trans-title=Durch rituelle Beschneidung erworbene Tuberkulose | |||
|language=Englisch | |||
|journal=JAMA | |||
|date=1913-7-12 | |||
|volume=61 | |||
|issue=2 | |||
|pages=99-102 | |||
|url=http://www.cirp.org/library/complications/holt1/ | |||
|accessdate=2020-03-30 | |||
}}</ref> Wolbarst war empört darüber und sah dies als Angriff auf die rituelle [[Beschneidung]] an. Er beschloss, die rituelle Beschneidung zu verteidigen, indem er argumentierte, dass die Beschneidung gesundheitliche Vorteile biete. Wolbarsts Verteidigung der Beschneidung wurde 1914 in ''JAMA'' veröffentlicht und trug den Titel "''Universelle Beschneidung als sanitäre Maßnahme''".<ref name="wolbarst1914">{{REFjournal | |||
|last=Wolbarst | |||
|first=Abraham L. | |||
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|author-link=Abraham L. Wolbarst | |||
|title=Universal Circumcision as a Sanitary Measure | |||
|trans-title=Universelle Beschneidung als sanitäre Maßnahme | |||
|language=Englisch | |||
|journal=JAMA | |||
|date=1914-1-10 | |||
|volume=62 | |||
|issue=2 | |||
|pages=92-97 | |||
|url=https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/453164 | |||
|accessdate=2020-03-30 | |||
}}</ref> | |||
Dies geschah vor den Tagen der evidenzbasierten Medizin, als sich die Ärzte statt auf wissenschaftliche Beweise auf die medizinische „Meinung“ stützten. Wolbarst sammelte die "Meinungen" mehrerer Ärzte und veröffentlichte diese Meinungen als Beweis für sein Argument, dass die Beschneidung Krankheiten verhindere. Wolbarst argumentierte, dass die nichttherapeutische Beschneidung von Neugeborenen zahlreiche Krankheiten verhindern würde, einschließlich Geschlechtskrankheiten (heute als sexuell übertragbare Krankheit bekannt). | |||
Wolbarsts Artikel erschien am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Er beeinflusste offenbar amerikanische Militärkommandanten, die Beschneidung von Militärpersonal unter ihrem Kommando anzuordnen, um Geschlechtskrankheiten vorzubeugen und die militärische Einsatzfähigkeit zu verbessern.<ref name="hill2002">{{REFweb | |||
|url=http://purewatergazette.net/circumcision.htm | |||
|title=The Rise and Fall of Neonatal Circumcision: The Irrational Abuse Of Helpless Children | |||
|trans-title=Aufstieg und Fall der Neugeborenenbeschneidung: Der irrationale Missbrauch hilfloser Kinder | |||
|language=Englisch | |||
|last=Hill | |||
|first=George | |||
|author-link=George Hill | |||
|website=purewatergazette | |||
|date=2002-11-04 | |||
|accessdate=2020-03-30 | |||
}}</ref> Es gibt keine Statistiken, die dokumentieren, wie viele Männer aufgrund von Wolbarsts Artikel beschnitten wurden. | |||
Die Akzeptanz der Beschneidung als prophylaktische Amputation durch den amerikanischen Militärdienst stigmatisierte fälschlicherweise die Vorhaut als ungesund. Van Howe (1999) hat ausführlich gezeigt, dass die Beschneidung nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.<ref name="vanhowe1999">{{REFjournal | |||
|last=Van Howe | |||
|first=Robert S. | |||
|init=RS | |||
|author-link=Robert S. Van Howe | |||
|title=Does circumcision influence sexually transmitted diseases?: A literature review | |||
|trans-title=Beeinflusst die Beschneidung sexuell übertragbare Krankheiten?: Eine Literaturübersicht | |||
|language=Englisch | |||
|journal=BJU Int | |||
|date=1999 | |||
|volume=83 | |||
|issue=Suppl. 1 | |||
|pages=52-62 | |||
|url=https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1046/j.1464-410x.1999.0830s1052.x | |||
|pubmedID=10349415 | |||
|pubmedCID= | |||
|DOI=10.1046/j.1464-410x.1999.0830s1052.x | |||
|accessdate=2020-03-31 | |||
}}</ref> | |||
== Mythos: Schutz vor Peniskrebs == | |||
Wolbarst war ursächlich verantwortlich für die Erfindung des Mythos, dass die [[Beschneidung]] Männer immun gegen Peniskrebs machen würde.<ref name="Wolbarst 1932">{{REFjournal | |||
|last=Wolbarst | |||
|first=Abraham L. | |||
|init=AL | |||
|author-link=Abraham L. Wolbarst | |||
|title=Circumcision and penile cancer | |||
|trans-title=Beschneidung und Peniskrebs | |||
|language=Englisch | |||
|journal=Lancet | |||
|volume=1 | |||
|issue=5655 | |||
|date=1932-01-16 | |||
|pages=150-153 | |||
}}</ref> Worldbarst schrieb einen Artikel, der 1932 im Lancet veröffentlicht wurde und dem menschlichen männlichen [[Smegma]] unterstellte, krebserregend zu sein.<ref name="Wolbarst 1932"/> Worlbarsts Mythos beruhte ausschließlich auf nicht überprüfbaren Anekdoten, ethnozentrischen Stereotypen, einem fehlerhaften Verständnis der menschlichen Anatomie und Physiologie, einem Missverständnis der Unterscheidung zwischen Verbindung und Ursache und einem ungezügelten missionarischen Eifer und hatte absolut keine Grundlage in gültiger wissenschaftlicher und epidemiologischer Forschung.<ref name="Fleiss 1996">{{REFjournal | |||
|last=Fleiss | |||
|first=Paul M. | |||
|init=PM | |||
|author-link=Paul M. Fleiss | |||
|last2=Hodges | |||
|first2=Frederick M. | |||
|init2=FM | |||
|author2-link=Frederick M. Hodges | |||
|title=Neonatal circumcision does not protect against cancer | |||
|trans-title=Beschneidung von Neugeborenen schützt nicht vor Krebs | |||
|language=Englisch | |||
|journal=BMJ | |||
|date=1996 | |||
|volume=312 | |||
|issue=7033 | |||
|pages=779-780 | |||
}}</ref> | |||
Wolbarst war direkt für die Verbreitung des Mythos verantwortlich, und alle nachfolgenden Wiederholungen dieses Mythos sind direkt auf Wolbarsts Artikel zurückzuführen, während Wolbarst selbst die universelle Beschneidung von Neugeborenen befürwortete, hauptsächlich als Präventivmaßnahme gegen Epilepsie, Lähmung und [[Masturbation]]. Befürworter der Beschneidung wie Wolbarst scheinen diesen Mythos nicht befördert zu haben, weil sie ein echtes Interesse daran hätten, Peniskrebs zu reduzieren. Sie benutzten ihn stattdessen als Schreckensszenario, um die Beschneidung von Neugeborenen zu fördern.<ref name="Fleiss 1996"/> | |||
Boczko & Stanley (1979) haben zahlreiche Fälle von Peniskrebs bei beschnittenen Männern zusammengetragen.<ref name="boczko1979">{{REFjournal | |||
|last=Boczko | |||
|first=Stanley | |||
|init=S | |||
|last2=Freed | |||
|first2=Selwyn | |||
|init2=S | |||
|title=Penile carcinoma in circumcised males | |||
|trans-title=Penile carcinoma in circumcised males | |||
|language=Englisch | |||
|journal=N Y State J Med | |||
|date=1979-11 | |||
|volume=79 | |||
|issue=12 | |||
|pages=1903-1904 | |||
|url=http://www.cirp.org/library/disease/cancer/boczko/ | |||
|pubmedID=292845 | |||
|accessdate=2020-04-02 | |||
}}</ref> Epidemiologische Studien haben Wolbarsts Mythos schon vor langer Zeit widerlegt. In Nordamerika wird die Rate an Peniskrebs auf 1 zu 100.000 geschätzt.<ref>{{REFdocument | |||
|title=Third national cancer survey: incidence data | |||
|trans-title=Dritte nationale Krebserhebung: Inzidenzdaten | |||
|language=Englisch | |||
|last=Cutler S.J., Young J.L. Jr. | |||
|publisher=US Dept of Health, Education, and Welfare, Public Health Service | |||
|location=Bethesda, Md. | |||
|date=1975 | |||
}}</ref> Maden ''et al.'' berichteten über Peniskrebs bei einem Fünftel älterer Patienten aus ländlichen Gebieten, die als Neugeborene beschnitten und zu einem Zeitpunkt geboren wurden, als die Beschneidungsrate bei Neugeborenen in ländlichen Gebieten etwa 20 % betrug.<ref>{{REFjournal | |||
|last=Maden | |||
|init=C | |||
|last2=Sherman | |||
|init2=KJ | |||
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|last4=Hislop | |||
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|last5=Teh | |||
|init5=CZ | |||
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|init6=RL | |||
|etal=yes | |||
|title=History of circumcision, medical conditions, and sexual activity and risk of penile cancer | |||
|trans-title=Geschichte der Beschneidung, Erkrankungen sowie sexuelle Aktivität und Risiko für Peniskrebs | |||
|language=Englisch | |||
|journal=JNCI | |||
|date=1993 | |||
|volume=85 | |||
|pages=19-24 | |||
}}</ref> Ihre Studie zeigt auch, dass die Rate von Peniskrebs bei neugeborenen beschnittenen Männern in den Vereinigten Staaten mit dem Anstieg der Rate der Neugeborenenbeschneidung mit angestiegen ist. | |||
Obwohl Wolbarsts Lügen vor Jahrzehnten widerlegt wurden, sind sie in die amerikanische Psyche eingedrungen, wo sie weiterhin Einfluss ausüben, den sie nicht verdienen.<ref name="hill2000">{{REFjournal | |||
|last=Hill | |||
|first=George | |||
|init=G | |||
|author-link=George Hill | |||
|title=The Ghosts of Abraham Wolbarst and Aaron Fink | |||
|trans-title=Die Geister von Abraham Wolbarst und Aaron Fink | |||
|language=Englisch | |||
|journal=BMJ | |||
|date=2000-06-22 | |||
|url=https://www.bmj.com/rapid-response/2011/10/28/ghosts-abraham-wolbarst-and-aaron-fink | |||
|DOI=https://doi.org/10.1136/bmj.320.7249.1592 | |||
|accessdate=2020-03-31 | |||
}}</ref> | |||
{{SEEALSO}} | |||
* [[Befangenheit]] | |||
* [[Beschnittene Ärzte]] | |||
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{{DEFAULTSORT:Wolbarst, Abraham L.}} | {{DEFAULTSORT:Wolbarst, Abraham L.}} | ||
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