Plastibell

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Ein Beschneidungsgerät, das mithilfe einer Schnur den Blutfluss zur Vorhaut unterbricht und diese amputiert

Das Plastibell-Beschneidungsgerät ist ein durchsichtiger Kunststoffring mit einer in Umfangsrichtung verlaufenden tiefen Rille zum Beschneiden von männlichen Säuglingen. Es wurde 1950 von Hollister Inc. erfunden und erstmals 1953 erwähnt.[1][2] Das Gerät stellt eine Umfangsfläche zur Verfügung, auf der die Vorhaut abgebunden werden kann.

Vorteile

Die Eichel ist während des Eingriffs durch den Ring geschützt. Die Blutstillung (Kontrolle der Blutung) ist aufgrund der Ligaturbindung wirksam. Kosmetisch wird aufgrund der geraden Linie der Ligatur, die die Wunde verursacht, ein vorhersagbares Ergebnis erzielt. Es ist eine Prozedur, die der Arzt rasch durchführen kann, sobald er sie erlernt hat.

Es ist kein Verband erforderlich, sodass eine einfache Überwachung auf Infektionen möglich ist.

Die Heilung erfolgt, während die Ränder der Vorhaut im Ring gesichert sind, wodurch Hautbrücken (bei denen das Ende des Vorhaut zur Eichelkorona hin verheilt) unwahrscheinlich werden.

Kosmetisch gibt es nur eine geringe bis gar keine Beschneidungsnarbe, obwohl es, wie bei jeder Beschneidung üblich, zu einem Farbwechsel kommt, bei dem sich die (vormals) inneren und äußeren Schichten der Vorhaut treffen.

Nachteile

Der Ring muss abfallen, bevor die endgültige Heilung erfolgen kann. In seltenen Fällen kann die Eichelspitze durch den Ring ragen und anschwellen und den Ring einklemmen. Das Bluttransfusionsrisiko liegt bei 1 von 30.000 Eingriffen (Wiswell).

Eine Studie von 2.000 PlastiBell-Beschneidungen ergab eine Komplikationsrate von 1,8 %.[3]

Die Vorhaut muss aufgeschlitzt und mit Gewalt von der Eichel abgelöst werden, damit die Kunststoffglocke eindringen kann.

Da die Genesung von einem (vorübergehend) angebrachten medizinischen Gerät abhängt, ist das Risiko einer Infektion oder einer Blutung aufgrund des Abrutschens oder eines anderen Versagens der Glocke größer[4] als bei einer Gomco-Klemme oder einer ähnlichen vollständig beaufsichtigten Beschneidung.

In der Literatur gibt es mehrere Berichte über Harnverhalt nach der Beschneidung mit dem PlastiBell-Gerät.[5] Es wurden Todesfälle berichtet.[6][7][8]

Es gibt auch einen Bericht über Impetigo contagiosa (schuppender, nässender Hautausschlag) durch Staphylococcus aureus bei der Verwendung des PlastiBell.[9]

Es gab mehrere Fälle, in denen Kinder eine nekrotisierende Fasziitis in ihrem Penis entwickelten, nachdem sie mit dem PlastiBell-Gerät beschnitten wurden.[10][11]

Es gab Fälle von Nekrose der Eichel nach der Beschneidung mit dem PlastiBell-Gerät.[12]

"Nicht-schneidend"?

PlastiBell wird Eltern oft als nicht schneidende Methode beschrieben. Zu Beginn der Anwendung wird jedoch häufig ein dorsaler Schlitz (Schnitt) ausgeführt, um die Anwendung zu vereinfachen. Nach der Anwendung durchtrennt das PlastiBell den Blutkreislauf bis zur Vorhaut und nekrotisiert das Gewebe, das in wenigen Tagen abfällt (oder es wird nach der Anwendung des PlastiBells möglicherweise „abgeschnitten“). Das Ergebnis ist dasselbe: die Amputation einer gesunden Vorhaut.

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Weblinks

Einzelnachweise

  1. REFjournal Miller, R.L. / D.C. Snyder (Januar 1953): Immediate circumcision of the newborn male [Sofortige Beschneidung des Neugeborenen] (Englisch), in: Am. J. Obstet. Gynecol.. 65 (1): 1-11, PMID.
  2. REFjournal Kariher, D.H. / T.W. Smith (Januar 1956): Immediate circumcision of the newborn [Sofortige Beschneidung des Neugeborenen] (Englisch), in: Obstet Gynecol. 7 (1): 50-3, PMID.
  3. REFjournal Izzidien Al-Samarrai, A. Y. / A. Mofti / S. J. Crankson (1988): The Use of Plastibell in Neonatal Circumcision. Review of 2000 cases. [Die Verwendung von PlastiBell bei der Neugeborenen-Beschneidung. Überprüfung von 2000 Fällen.], in: Surg. Gyne & Obst.. 167: 341-343.
  4. REFnews Brennae, Mark (13. Juni 2007)."Ontario boy dies after complications from circumcision", The Vancouver Sun: CanWest News Service. Abgerufen 16. Juli 2008.
  5. REFjournal Ly, L. / K. Sankaran (2003): Acute venous stasis and swelling of the lower abdomen and extremities in an infant after circumcision [Akute venöse Stase und Schwellung des Unterbauchs und der Extremitäten bei einem Säugling nach der Beschneidung] (Englisch), in: CMAJ. 169 (3): 216-7, PMID.
  6. Paediatrics & Child Health, Home
  7. http://www.austlii.edu.au/cgi-bin/sinodisp/au/cases/vic/VCAT/2010/1772.html?stem=0&synonyms=0&query=anaesthetic
  8. REFjournal Paediatric Death Review Committee: Office of the Chief Coroner of Ontario (2007): Circumcision: A minor procedure? [Beschneidung: Ein kleiner Eingriff?] (Englisch), in: Paediatrics & child health. 12 (4): 311-2, PMID, PMC. Abgerufen am 13. November 2019.
  9. REFjournal Stranko, J. / M.E. Ryan / A.M. Bowman (September 1986): Impetigo in newborn infants associated with a plastic bell clamp circumcision [Impetigo bei Neugeborenen im Zusammenhang mit einer Kunststoff-Glockenklemme-Beschneidung] (Englisch), in: Pediatric infectious disease. 5 (5): 597-9, PMID. Abgerufen am 13. November 2019.
  10. REFjournal Bliss, David P. / Patrick J. Healey / John H.T. Waldhausen (1997): Necrotizing fasciitis after Plastibell circumcision [Nekrotisierende Fasziitis nach PlastiBell-Beschneidung] (Englisch), in: The Journal of Pediatrics. 131 (3): 459-62, PMID, DOI. Abgerufen am 13. November 2019.
  11. REFjournal Woodside, J.R. (März 1980): Necrotizing fasciitis after neonatal circumcision [Nekrotisierende Fasziitis nach Neugeborenen-Beschneidung] (Englisch), in: American journal of diseases of children. 134 (3): 301-2, PMID. Abgerufen am 13. November 2019.
  12. REFjournal Bode, C.O. / S. Ikhisemojie / A.O. Ademuyiwa (2010): Penile injuries from proximal migration of the Plastibell circumcision ring [Penisverletzungen durch proximale Migration des Plastibell-Beschneidungsrings] (Englisch), in: Journal of Pediatric Urology. 6 (1): 23-7, PMID, DOI. Abgerufen am 13. November 2019.